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Vegetarier sein (Antwort auf eine Facebook Frage) 
Raum
The sound of silence
Buttons in the Dana Box Extracts
Eine Frage an Michael Kewley: „Warum sollte ich meditieren?“
Liebe offen: Ein Vortrag über Liebe und Partnerschaft von Michael
Meditation der Liebenden Güte (Metta-Bhavana)

Vegetarier sein (Antwort auf eine Facebook Frage)
von Frank Cibulski

Normalerweise, wenn ich gefragt werde, ob man auf dem spirituellen Weg Vegetarier sein sollte, spreche ich über Selbstverantwortung und die Weisheit, für sich selbst das Leben auszuwählen, welches man führen möchten.
Allerdings möchte ich an dieser Stelle, weil die Frage gestellt wurde, ein bisschen mehr dazu sagen.
Ich zögere nicht zu sagen, dass das höchste spirituelle Prinzip Ahimsa ist.
Ahimsa fordert, dass wir weder uns noch anderen Schaden zufügen.
Das bedeutet nicht nur, in einer nicht-schädigenden Weise in der Welt zu leben, sondern auch, zum Wohle aller Wesen und natürlich auch des Planten, auf dem wir leben, beizutragen.
Die Fleisch- und Milchindustrie ist riesig und hat keine Aktien in Ahimsa, nur in der andauernden und grausamen Ausbeutung von Tieren. Nichts davon ist unbekannt oder geheim. Wenn sich also jemand, als intelligente Person damit wohl fühlt, gibt es keinen Grund, mit dem Essen von Fleisch aufzuhören.
So ungesund andere dies finden mögen, es wird von der Mehrheit der Menschen in der westlichen Welt nicht als illegal oder unmoralisch angesehen.
Allerdings spreche ich hier von universeller Liebe und der Verbundenheit aller Wesen, und daher ist es nicht möglich ein Fleischesser zu sein und Metta für die Welt zu haben! Fleisch zu essen, muss bedeuten, dass das Leben eines Tieres genommen wurde. Und sogar wenn wir sagen, dass der Buddha es erlaubte (ich bin mir da selbst nicht so sicher  -  jeder kann Worte in den Mund einer lange toten Person legen), ist die wahre Frage „wissend, was Du weißt, wie fühlst Du Dich damit?“
Die Entschuldigung zu benutzen, dass wir nicht selbst das Tier töten und dies auch nicht sehen oder hören und auch nicht wissen, dass es für uns getötet wurde (Regeln der Buddhistischen Mönche für die Duldung von Fleisch in der Nahrung) scheint mir leer zu sein. Das ist so, wie zu sagen „Ich schlage meine Kinder nicht, aber ich bezahle jemanden dafür, es an meiner Stelle zu tun.“
Wir können uns nicht aus dieser Gleichung herauskürzen. Wenn es keinen Kunden gibt, gibt es keinen Grund ein Leben zu nehmen. Wenn es viele Kunden gibt, wird Geld eine größere Verlockung als für andere zu sorgen.
Wie viele Leute kennst Du, die sich selbst tierlieb nennen und trotzdem noch Fleisch essen? Wenn wir wählen, blind zu sein, können wir wirklich nicht sehen.
Am Ende müssen wir für uns selbst entscheiden. Ich bestehe nicht darauf, dass irgendeiner meiner Schüler damit aufhört, Fleisch zu essen, wenn wir nicht zusammen sind. Aber ich vertraue darauf, dass die Reinheit und Integrität ihrer Herzen allmählich durchscheinen wird und dass ihre angeborene Liebe und ihr eigenes Mitgefühl für andere Wesen, die so sehr leben wollen wie wir, sich in ihr tägliches Leben manifestieren werden.
Wenn ich sage „Mögen alle Wesen glücklich sein“, ist das genau das, was ich meine.

Mögen alle Wesen glücklich sein.

Raum (April 2013)
von Frank Cibulski

So, wie unsere Angst geringer wird, sehen wir, dass Raum in unserem Leben etwas ist, das wir schätzen dürfen und nicht immer mit etwas füllen müssen.
Dass nichts unverändert bleibt, ist eine offensichtliche Wahrheit, mit der wir uns sehr oft unwohl fühlen. Wir mögen die Idee von Sicherheit und Beständigkeit.
Kleine, schrittweise und fast nicht wahrnehmbare Veränderungen sind akzeptabel, weil sie unsere Illusionen nicht allzu sehr stören. Aber plötzliche und oft dramatische Veränderungen erzeugen einen Raum in unserem Leben, der unbekannt ist, der sich gefährlich anfühlen kann und uns das Gefühl von Verletzlichkeit gibt.
Aber genau hier wird unsere wahre Dhamma-Schulung deutlich. Wir können uns nicht vor dem Unbekannten fürchten (wenn wir es nicht kennen, wie können wir es dann fürchten?). Wir befürchten nur den Verlust des Bekannten, dessen was uns vertraut ist. Sogar, wenn dieses Bekannte unangenehm oder sogar schmerzvoll ist, ziehen wir es dem Raum vor, den der Verlust des Bekannten erzeugt. Wir fühlen uns wohl mit dem, was wir kennen, und Raum in unserem Leben ist bedrohlich!
 
Dies ist wie die Geschichte einer jungen Frau, der ihr Freund sagte, sie solle ihn verlassen. „Ich denke, wir sollten uns trennen,“ sagte er, „weil unsere Beziehung dich nicht glücklich macht.“
„Aber ich möchte nicht glücklich sein,“ antwortete sie, „ich möchte bei dir bleiben.“
 
Dhamma-Praxis erinnert uns daran, uns dem Raum hinzugeben. In diesem neuem Raum in deinem Leben liegen all die Möglichkeiten, die du vorher nicht wahrgenommen hast. Neue Ideen, neue Visionen und neue Freiheiten werden uns klar. Und wir beginnen zu erkennen, dass unser altes verschlossenes Leben in Wirklichkeit ein Gefängnis war. Ein angenehmes Gefängnis, gut orgnisiert und bekannt, aber immer klein und eingeschlossen. Immer ein Käfig, um wahre Freiheit und Befreiung als schöne Worte und Konzepte außer Reichweite zu halten.
Dhamma ist grenzenlos. Weisheit ist grenzenlos. Liebe ist grenzenlos. Sich in den neuen Raum hineinbegebend können wir unser Herz finden, nicht länger begraben unter unerfüllten Träumen und Sehnsüchten, sondern bereit, wieder berührt zu werden und an jedem Moment des Lebens teilzuhaben.
Eine der herausragenden Qualitäten der liebenden Güte ist Vertrauen. Niemals Arroganz oder auf dem Ego beruhende Ansichten, sondern die ruhige Sicherheit, dass, was immer das Leben uns anbietet, wir in der Lage sind anzunehmen und zu reagieren, ohne dass Angst unser Urteil beeinflusst.
Also ist die Lehre immer einfach: Wenn du wirklich das Beste für dich möchtest, lebe in Liebe und sei bewusst.
Lass die Angst los und umarme die herrliche Leere, die sich durch die unbegrenzten Möglichkeiten anbietet.
Wahres Glück wartet hier.
Mögen alle Wesen glücklich sein.

 

The sound of silence (Newsletter n°31 - April 2013)
von Frank Cibulski
 
Über viele Jahre, bevor mein Lehrer mich aussendete mit anderen den Dhamma zu teilen, war ich ein engagierter Schüler. I praktizierte eifrig und nahm an scheinbar hunderten langen und intensiven Vipassana-Retreats teil. Stunde auf endlose Stunde in Stille sitzen, den Atem in meinen Nasenlöchern und die fortwährend wechselhaften Empfindungen in meinem Körper beobachtend. Es war ein segensvolles Training mit einem bewundernswerten Lehrer und etwas, was ich heute allen ernsthaften Schülern des Dhamma wirklich empfehle.
Einige meiner liebsten Erinnerungen sind die des Sitzens, oft allein, in der Dhamma-Halle, die Düfte der Räucherstäbchen einatmend und versunken in der Stille tiefer Konzentration. Dann, durch diese Stille hindurch ziehend, wie Vogel am Himmel fliegend, kamen die Geräusche der Küche. Sich unterhaltende Leute, klappernde Pfannen, pfeifende Kessel, klingelnde Telefone. Die Geräusche eines Klosters. Die Geräusche des Lebens.
Still zu sein und im Frieden inmitten von Chaos und Trubel ist der Segen eines Herzens ohne Verlangen.
Dies also sind die Gaben eines wahrhaft spirituellen Lebens, und die Gabe, die aus dem Verständnis entsteht, was Meditation wirklich ist, und dann dieses Verständnis mitzunehmen in das normale, tägliche Leben.
Die Geräusche, Düfte und anscheinenden Störungen unserer Praxis sind tatsächlich Freunde, die uns auf unserem Weg helfen.
Es ist hier, dass wir die Natur des Lebens sehen, dass wir, egal was wir wollen, es nicht kontrollieren können. Und es ist hier, dass wir die Natur des Geistes sehen, den wir, egal was wir wollen, auch nicht kontrollieren können.
Also ist die Lehre einfach. Kapituliere, akzeptiere und sei mit den Dingen, so wie sie sind. Natürlich benötigen wir Weisheit und jeder Moment ist anders, also müssen wir flexibel genug sein, um auf die Situation zu reagieren, wie sie sich selbst darstellt.
Wenn das Haus brennt, musst Du selbstverständlich die Realität der Situation akzeptieren, aber dann reagiere mit der angemessenen Handlung. Rufe die Feuerwehr, verlasse das gebäude. Missverstehe die Situation nicht und werde auch kein Opfer!
Wenn da wahres Verstehen ist, wird alles nur als das gesehen, was es ist, und nicht als mehr als das. Und der Wunsch, perfekte Umstände für unsere Meditationspraxis oder für das Leben selbst zu erschaffen, kann in der Zukunft nur zu Unzufriedenheit führen.
Der Geist fragt nicht nach unserer Erlaubnis oder Zustimmung für bestimmte mentale Zustände, also haben wir zu akzeptieren, was auftaucht.
Der Geist sagt nicht, “Entschuldige, wäre es Dir recht, wenn ich jetzt ärgerlich, eifersüchtig oder aufgeregt wäre?” Diese mentalen Zustände kommen und gehen, wie sie es wählen, nicht gemäß unserer Entscheidung. Daher, für unser eigenes Glück und für unseren eigenen inneren Frieden, müssen wir die Dinge annehmen, wie sie sind.
Das ist die Realität, und das ist, was wir akzeptieren, die Realität des Momentes. Die Anforderung zu erheben, dass das ganze Universum still sein möge, während du meditierst, ist eine komplettes Missverständnis der Lehre.
Die Anforderung zu erheben, dass das ganze Leben immer angenehm und einfach für uns sein sollte, ist naiv. Besser mit den Dingen sein, wie sie sind, und auf den Moment in einer geduldigen und liebevollen Haltung reagieren. Auf diese Weise sollten die Dinge gut gehen, und du wirst glücklich sein und dieses anspruchslose Glück mit anderen Wesen teilen.
 
Mögen alle Wesen glücklich sein!

Buttons in the Dana Box
Von Florian übersetzt

(Page 11-13)
Dhamma ist einfach. Lebe mit Liebe und sei achtsam.
Es ist nur der Geist, der diese Lehre verkompliziert und sagt, dass es nicht genug sei.
Der Geist, lenkt gerne ab vom einfachen Dasein und sucht immer etwas außerhalb der Realität des Augenblicks.

Dhamma ist überall. Mein Lehrer kam eines Nachmittags zu seinem Kloster zurück, nachdem er sein anderes Kloster in London besucht hatte. Er kam geradewegs in die Küche, in der ich –damals Mönch – eine Tasse Tee machte. Sein Lächeln war enorm und er sagte unvermittelt: „Pannadipa, ich habe gerade meine ganze Philosophie in einem Lied im Radio gehört.“ (Er hatte nach einem Nachrichtensender gesucht und landete bei Popmusik.) „Wirklich“, sagte ich, „Was war es?“ „Don’t worry, be happy“, antwortete er.
(Don‘t worry, be happy: Bobby McFerrin 1988)

Dhamma ist überall. Wir brauchen es nicht zu suchen, wir müssen uns nur für die Wirklichkeit des Lebens zu öffnen, und siehe da: da ist es.
Wir können Jahre damit verbringen, Ideen von Erleuchtung und Befreiung hinterherzujagen, nur um herauszufinden, dass sie Qualitäten sind, die wir immer bei uns haben. Wir konnten sie nur nicht sehen, weil wir immer in die Ferne geschaut haben, immer auf der Suche nach etwas Besonderem. – der Einbildung hinterher jagend und auf den großen Moment in der Meditation wartend, oder den Lichtblitz, der unsere Leben für immer transformiert!
Die großen Meister sprechen von Alter, Krankheit und Tod als die Objekte unserer Reflexion. Sie sprechen von unseren gewöhnlichen Leben als die Fahrzeuge unserer Befreiung. Wenn wir das nicht berücksichtigen, sind wir verloren. Rennen einer Serie von Missverständnissen über Dhamma hinterher, die wir im Geiste kreiert haben.

Bevor wir Kinder haben, können wir uns nicht vorstellen, was es heißt, Kinder zu haben. Wenn wir sie haben, bedeutet es einfach, Eltern zu sein. Es ist alles, aber nichts Besonderes. Das ist Dhamma.
Bevor wir verstehen, ist unser Leben nur gewöhnliches Leben, wenn unser Herz schließlich offen ist, ist unser Leben immer noch unser gewöhnliches Leben.
Es ist alles, aber nichts Besonderes.
So lassen wir los, und lassen los und lassen los und erlauben Dhamma, zu uns zu kommen.
Es ist ein bisschen wir diese alten 3D-Bilder, die wir früher angestarrt haben.
Für eine lange Zeit passiert gar nichts, aber in dem Moment, in dem wir entspannen – siehe da, da ist es!

(Page 73-74)
Die Übung verstehen

Damals als ich sehr jung und unerfahren im Meditieren war, fragte mich jemand, an welcher Stelle ich den Atem betrachtete, im Bauch oder den Nasenlöchern?
„In den Nasenlöchern“ antwortete ich
„Oh, du wirst niemals Fortschritte machen bis du es gelernt hast, den Atem im Bauch zu betrachten!“ sagte er.

Wenn wir Dhamma verstehen, wird alles zur Übung und die Übung wird zur Lebensfreude.
Das Herz öffnet sich und das Gesicht lacht, das Streben danach, jemand zu sein oder etwas zu bekommen, ist vorbei. Nur das einfache Sein als „Nicht-Person“, die sich durch jeden Moment des Lebens weise und liebevoll bewegt und nicht danach fragt, was Übungspraxis ist und was nicht.
Wenn wir unsere vorgefassten Ideen loslassen, wird das Leben selbst zur Übungspraxis.
Wenn wir nur auf die spezifischen Arten von Training und auf Techniken schauen, engen wir uns ein Wir beschränken uns sehr, wenn wir die, die anders sind als wir, kritisieren und korrigieren.
Wenn wir die Technik transzendiert haben, wird unser Leben zur Praxis und so wird unsere Praxis allumfasend.
Ein klares Beispiel dafür ist Zen-Meister Soen-Sa-Nim, der seine Lehren sehr oft mit diesen einfachen Worten anbietet: „Wenn du gehst, dann geh. Wenn du hungrig bist, dann iss. Wenn du sitzt, dann sitz.“
Das ist ein wundervoller und wirklich wertvoller Weg zu trainieren, jeden Moment und jede Ativität in diesem Moment das einzige sein zu lassen, das passiert. Die volle Aufmerksamkeit zu geben, bis nur noch das Tun selber bleibt.
Eine Geschichte erzählt, dass Soen-Sa-Nim eines Morgens am Frühstückstisch saß. Er aß und las gleichzeitig die Zeitung, als er Besuch von ein paar Schülern bekam. Sie waren sehr empört, ihn mit so wenig Fokus zu sehen und stellten ihn zur Rede. „Weißt du“, sagten sie, „du bist hier der Meister und sagst uns, wenn wir gehen, einfach nur zu gehen. Wenn wir hungrig sind, einfach nur zu essen, und wenn wir sitzen, einfach nur zu sitzen. Aber hier treffen wir dich essend und lesend zur gleichen Zeit. Wie erklärst du das?“ Er sagte: „Oh, das ist sehr einfach, wenn man isst und Zeitung zur gleichen Zeit liest, dann einfach nur: Essen und Zeitung lesen.“

Wenn wir nicht selber wissen, brauchen wir die Führung durch Regeln. Wenn wir einmal wissen, wo unsere wahre Übung ist, was brauchen wir dann noch Regeln?
Das Leben ist Meditation und Meditation ist das Leben.
Ich habe für mich das Üben immer als Unterstützung für mein Leben empfunden, etwas, das Freude in die Situation bringt, und wenn nicht Freude, dann wenigstens die Weisheit des Wissens.
Wenn wir klar sind, ist unser Leben klar. Wenn wir durcheinander sind, ist unser Leben durcheinander. Dhamma bedeutet Wahrheit, und Wahrheit ist immer hinter der Technik.

Mögen alle Lebewesen glücklich sein.

Eine Frage an Michael Kewley: „Warum sollte ich meditieren?“
Von Florian übersetzt

Michael Kewley begleitet Menschen dabei, die Qualitäten von Achtsamkeit und Liebe zu entwickeln. Er erhielt 2002 die höchste Lehrbefähigung im Theravada-Buddhismus, Dhammachariya. Michael lehrt mit Hingabe und Humor - und verzichtet in seiner Vermittlung auf religiösen Überbau. Die Oldenburger Vipassana-Gruppe lädt ihn mehrmals im Jahr zu Vorträgen und Retreats (Zeiten in Stille) ein.

Auszug aus einem informellen Vortrag auf der Isle of Man vom 18.11.2011:

Frage: „Michael, das Leben ist schwer genug heutzutage, warum sollte ich Meditation üben?“

Michael: „ Das ist eine gute Frage. Warum solltest du üben? Warum sollte irgendjemand sich überhaupt bei etwas bemühen in seinem Leben? Der Grund, warum wir uns überhaupt um etwas bemühen ist, um damit etwas zu bewirken.

Du hast mich schon oft sagen hören, dass Dhamma das Wichtigste im Leben ist. Nicht Religion, nicht beten oder chanten, sondern die tatsächliche Arbeit des Dhamma zu tun, die daraus besteht: „Lebe mit Liebe und sei achtsam.“ Wenn wir das auf unser Leben anwenden, erfahren wir guten Auswirkungen: Die Folge von Achtsamkeit ist, dass wir beginnen aufzuwachen. Dass wir nicht länger verwirrt von dem sind, was das Leben uns präsentiert. Dass wir nicht länger Opfer dieses Geistes sind, und dessen, was er uns präsentiert. Ob wir nun zu Hause, im Büro oder in der Meditationshalle sind. Die guten Auswirkungen von Dhamma sind enorm, tatsächlich unermesslich. Und je öfter du praktizierst, desto mehr erfährst du diese guten Wirkungen. Der erste Teil besteht also darin, achtsam zu sein: „Lebe mit Liebe und sei achtsam“. Achtsamkeit ist der Grundstein unserer Übung, so dass wir nicht länger verwirrt sind. Und dann - mit Liebe zu leben. Liebe bedeutet, zu akzeptieren und das Herz zu öffnen. So dass wir fühlen, dass wir nicht die Opfer in unserem Leben sind, sondern dass wir mit unseren Füßen fest auf dem Boden stehen und der Situation begegnen können. Ohne besessen zu sein von einer abstrakten Idee von Spiritualität. Liebe bedeutet, mit unserer Familie und unseren Freunden zu leben, sie zu umsorgen und unsere besten Eigenschaften mit ihnen zu teilen. Liebe ist dieses Herz, diese liebevolle, mitfühlende Herz.

Es heißt, dass, wenn eine Person sich der Übung von liebevoller Güte und Achtsamkeit zuwendet, dass es der ganzen Welt zugute kommt. Es tut der ganzen Welt gut, weil es eine Person weniger gibt, die aus Zorn, Angst und Gier lebt – und eine Person mehr, die mit Liebe, Freude, Mitgefühl und Gleichmut lebt – diesen wundervollen Qualitäten des Herzens. Also, wenn du das Beste für dich willst, dann musst du auf diese Weise praktizieren. Wir können ihn nicht herbei denken, unseren Weg zum Frieden oder Glück. Glück wird ja oft als ein Ziel in der Zukunft angesehen. Etwas, das wir noch erlangen müssen. Wir haben diese Liste, dass wir erst mehr und mehr Sachen zu bekommen haben, bist wir glücklich sein können. Oder das hier: „Wenn ich eben noch das ganze Universum so ordnen könnte, so dass es genau so ist, wie ich es mir vorstelle, dann bin ich glücklich – für immer.“ So funktioniert es aber nicht, und trotzdem ist das der Weg der Welt: Dinge erarbeiten und Dinge erwerben, sie zu benutzen und dann irgendwohin zu werfen. Dhamma ist, wenn wir loslassen. Wir lassen unsere Bedingungen für unser Unglücklichsein los. Wenn wir ein wenig loslassen, kehrt ein wenig Ruhe ein. Wenn wir viel loslassen, viel Ruhe. Wenn wir völlig loslassen – völlige Ruhe. Das müssen wir jedoch erstmal erkennen – und hier kommt die Achtsamkeit ins Spiel: Diesen Geist zu sehen, wie er sich bewegt, wie er nach Objekten greift und andere Objekte loswerden will – und immer sein Glück darin sucht, alles und jeden manipulieren zu wollen, damit das Leben immer perfekt ist. Natürlich ist das ein endloser Kampf, weil das Leben nie perfekt ist. Wir haben selbstverständlich auch Momente der Perfektion. Wenn wir die jedoch festhalten wollen, merken wir, wie vergeblich das ist. Achtsamkeit ist der Grundstein – da müssen wir beginnen. Und dann haben wir dieses liebevolle Herz, diese Akzeptanz. Wir haben die Möglichkeit, diesen Moment, dieses Leben, dieses Universum zu akzeptieren - genauso wie es in diesem Moment ist. Oft jedoch haben wir den Geist eines Babys, das schreit: “So soll es nicht sein!“ Aber es ist so, wie es ist. Es ist einfach so. Das ist es, was wir akzeptieren müssen: Wir müssen die Realität dieses Momentes akzeptieren. Und darum solltest du praktizieren. Weil es Glück, Freude und Zufriedenheit in dein Leben bringt. Oft, wenn ich vor Menschen sitze, empfinde ich sie wie meine Söhne. Wir haben diese Eltern-Kind- Beziehung. Und wenn du Kinder hast, dann kennst du das vielleicht: Für die Kinder willst du das Beste. Das wollen Eltern. Und wenn du ein Lehrer bist – das scheint meine Geschichte zu sein – willst du für die Schüler auch das Beste. Und das Beste ist: sich in Meditation zu üben, die Übungs-Praxis zu machen, Disziplin wertzuschätzen. So dass wir früh morgens aufstehen können, um zu meditieren. Und wir können uns die Zeit machen, um zu meditieren – Die Meditation nicht einfach nur zwischen zwei Fernsehsendungen einzubetten, sondern die tatsächliche Meditationspraxis in unserem Leben wichtig zu nehmen. Das muss ja nicht 45 Minuten lang dauern oder 30, es reichen auch 20 Minuten. Jeden Tag 20 Minuten – es ist kein großer Zeitaufwand - in denen wir mit diesem Geist sind, wie er kommt und geht. In dieser liebevollen Atmosphäre zu sein, in der wir den Geist akzeptieren können, wie er kommt und geht - und in Frieden mit sich zu sein. Und von der Übung im Sitzen lernen wir, diese Haltung in unser tägliches Leben mit zu nehmen. So dass wir nicht mehr so oft gestresst sind. Dann sehen wir die Ursachen für unseren Stress: Wir sind es selbst. Es sind nicht wieder die anderen, so sehr wir auch mit dem Finger auf sie zeigen mögen: Du bist es gewesen oder du oder du… Letztlich sind wir es immer selbst, wir sind der Architekt unseres Lebens. Und wenn wir das einmal beginnen zu verstehen, hören wir auf, Opfer in diesem Leben zu sein. Also: Mit Achtsamkeit sehen wir, mit Liebe akzeptieren wir - und schließlich: Mit Weisheit begegnen wir. Dein Alltag wird eine viel wichtigere Übung sein, als nur in der Meditationshalle zu sitzen, oder einmal im Jahr ein Retreat oder ein Wochenend-Seminar zu besuchen. Es muss ein Lebensweg werden. Wenn du die Aufmerksamkeit in diese Richtung lenkst, wenn du dir dieses großartige Geschenk Dhamma machst, dann bist du die erste Person, der das zugute kommt. Und dann wirst du die Vorteile, die dir das Praktizieren bringt, in jeden Augenblick des Lebens bringen. Du wirst mit Liebe leben, du wirst achtsam sein und du wirst die Schönheit deines Herzens teilen. Und darum solltest du dich in Meditation üben.

Liebe offen
Ein Vortrag über Liebe und Partnerschaft von Michael Kewley, übersetzt aus dem Englischen von Mohini S. Hug.

Wenn wir wissen, wo wir nach der Wahrheit suchen müssen, fallen alle unsere Probleme und Urteile von uns ab. So gab es einmal eine Nonne, die in ein ausschließlich Männern vorbehaltenes Kloster ging, um dort zu praktizieren. Sie war sehr diszipliniert in ihrer Praxis und außerdem war sie sehr schön. Aufgrund dieser Schönheit verliebten sich viele Mönche sehr schnell in sie.

Ein Mönch aber war von ihrer Schönheit so überwältigt, dass er sich nicht zurückhalten konnte, ihr eine Nachricht zu schicken. Darin stand: "Ich liebe dich sehr. Treffe mich nach der Abendmeditation im Garten. " Als sie nun an ihm vorbei zur Meditation ging, gab er ihr den Zettel. Sie las seine Worte nach der Meditation und stand auf, ging auf ihn zu und sagte: " Wenn du liebst, dann liebe offen. "

Sie meint damit, ehrlich und aufrichtig mit den eigenen Gefühlen und Antrieben zu sein. In unserer Welt leben wir nicht auf diese aufrichtige Art. So viele Spiele werden gespielt, so viele Leute achten nur auf ihren Anteil des Glücks, dadurch entsteht so viel Verwirrung und Schmerz. Jede Person möchte natürlich glücklich sein und für die meisten von uns beinhaltet dieses Glück eine intime Beziehung mit einer anderen Person. Jemand, mit dem wir unser Leben teilen, mit dem wir wachsen können, den wir lieben. Unsere Erwartungen an unseren Partner|unsere Partnerin sind oft sehr hoch, und oft haben wir das Gefühl, dass sie uns irgendwie enttäuschen: Vielleicht sind sie morgens reizbar oder sie wollen nicht bei der Gartenarbeit helfen, vielleicht können sie auch nicht gut mit Geld umgehen. Unsere Reaktion darauf ist unser Gefühl, dass sie uns irgendwie hängen lassen und wir haben den Eindruck, dass die andere Person, an die wir all unsere Hoffnungen vom glücklichen Leben gehängt haben, nicht gut für uns ist. Vielleicht, so denken wir, müssen wir doch jemanden anders finden, jemanden, der uns wirklich glücklich macht. Wir sehen nicht auf das Ergebnis unseres Handelns, kennen die Natur unseres Geistes nicht, und aufgrund dieser Unkenntnis erschaffen wir geistige Monster und lassen diese frei. Wir hoffen das Beste, aber sie kommen immer zurück, um uns zu verletzen. Immer...

Offen zu lieben bedeutet frei von eigensüchtiger Motivation zu sein und Liebe zu verschenken, andere Menschen zu akzeptieren, sie zu respektieren. Sogar wenn sie Dinge tun, bei denen wir denken, sie sollten sie nicht tun. Sogar, wenn sie sich in einer Art verhalten, die wir nicht gut heißen, sogar wenn sie uns verletzen. In weltlichen Beziehungen arbeiten wir immer an der anderen Person, um sie so zu formen, wie wir sie passend für uns finden. In einer Dhamma-Beziehung aber arbeiten wir an uns selbst und untersuchen unsere eigene Motivation. Wir sehen uns die Ergebnisse unseres Handelns an. Ist die Motivation rein, sind wir schuldlos, was auch immer geschieht. Wir müssen uns nicht entschuldigen und wir müssen niemand anders beschuldigen. Ein Dhamma-Leben bedeutet ein reines Leben. Es ist das schrittweise Wachstum vom Ego zur Egolosigkeit. Eine Bewegung von der Dunkelheit zum Licht. An diesem Weg wird es viele Probleme und Schwierigkeiten geben, aber wenn wir unsere Motivation rein halten, wird das Ergebnis immer gut sein.

Wir zeigen Liebe, wenn wir nicht länger in einer Welt leben, die nur aus selbstsüchtigen Wünschen und Gewohnheiten handelt. Es ist wirklich so einfach. Liebe ist nicht etwas, das wir kultivieren oder entwickeln müssen, es ist eine Qualität, die wir schon besitzen. Wenn wir kein Ego haben, das uns leitet, wird sich in allem was wir tun Liebe zeigen. Das ist das offene Lieben. Nicht im Geheimen, nicht voller Scham, nicht aus untergründiger Motivation heraus oder aus der Angst, dass jemand vielleicht unseren geheimen Plan durchschaut. Zu lieben aus einer Offenheit, die aus einem reinen Antrieb entspringt. Das ist die Praxis des Loslassens. Wenn wir andere verurteilen und uns über ihre Handlungen beschweren, schauen wir immer nur außerhalb von uns selbst. Wir verpassen den Kernpunkt der Einsichtsübung. Das bedeutet, den Geist zu beobachten, der gerade die Urteile fällt, und nicht die Objekte der Urteile zu betrachten. Es bedeutet ein klares Bild dessen zu haben, was wirklich passiert und wo es passiert. Nicht außen. Nicht in der Welt. Nur in unserem Geist. Nur dort. Wenn wir wissen, wo wir die Wahrheit finden können, fallen alle unsere Problem und Urteile von uns ab.

Ein Meditationsmeister sagte: " Niemand wurde jemals weise dadurch, dass er|sie andere kritisierte." Weisheit erlangen wir dadurch, dass wir auf uns selbst schauen, auf unser Ego und unsere selbstsüchtigen Wünsche nach persönlichem Glück. Wir sollten diese Wünsche so sehen, wie sie wirklich sind: eine unpersönliche Regung des Geistes. Nicht ich, nicht meins, nicht was ich wirklich bin. Die Qualitäten, die wir verkörpern wollen wie Freundlichkeit, Mitgefühl, Toleranz und Liebe: lasst sie einfach zu. Seid was ihr wirklich seid. Lasst das Ego nicht im Weg stehen. Das Leben ist zu wertvoll dafür. Deshalb seid in eurem Leben glücklich. Geht tief in eure Meditation.

Und in eurer Liebe gebt freigiebig. Liebt offen und ohne Bedingungen. Liebe ist zu schön, zu wertvoll, um Teil des Tauschhandels des Lebens zu werden. Wir sollten sie freigiebig und ohne Erwartung auf etwas zurück verteilen. " Ich werde dich lieben, wenn du mich auch liebst": Das ist nicht Liebe, das ist Handel. Es ist die Liebe der Geschäftsleute. Sie kann niemals schön sein, und deshalb auch niemals stützen. Sie ist nur ein Spiel. Lasst euer Bedürfnisse nach Liebe von eurem wunschlosen Wunsch, Liebe zu geben, bestimmt sein. Lasst euer spirituelles Herz euer emotionales Herz verwandeln, und lasst euren Schmerz und euer Leid von euch abfallen in die Leere des Universums.

Meditation der Liebenden Güte (Metta-Bhavana)
(wie gelehrt von Michael Kewley)

Anleitung: Zunächst richten wir die Aufmerksamkeit auf uns selbst und sprechen folgende Affirmationen laut oder im Geiste:

Möge ich frei sein von Wut und Böswilligkeit
Möge ich frei sein von Angst und Furcht
Möge ich frei sein von Leid und Schmerzen
Möge ich frei sein von Unwissenheit und Begierde
Möge ich glücklich und friedvoll sein
Möge ich in Harmonie sein
Möge ich befreit sein von Gier, Hass und Verblendung
Möge ich den tieferen Frieden in mir erkennen

Jetzt können wir diese Wünsche aus unserem Herzen heraus nach außen strahlen lassen, in die Welt und das Universum. Dabei berühren wir damit alle Wesen gleichsam und ohne Ausnahme

Mögen alle Wesen frei sein von Wut und BöswilligkeitMögen alle Wesen frei sein von Angst und Furcht
Mögen alle Wesen frei sein von allem Leid und allen Schmerzen
Mögen alle Wesen frei sein von Unwissenheit und Begierde
Mögen alle Wesen glücklich und friedvoll sein
Mögen alle Wesen in Harmonie sein
Mögen alle Wesen befreit sein von Gier, Hass und Verblendung
Mögen alle Wesen den tieferen Frieden in sich erkennen

Die folgendem Schlussworte beenden die Meditation

Mögen alle Wesen glücklich und sicher sein, mögen ihre Herzen Ganzheit erlangen. Was immer es auch für Wesen sein Mögen: schwach oder stark; dick, dünn oder von mittlerer Statur; groß, klein oder von mittlerer Größe; sichtbar oder unsichtbar; solche die in der Nähe wohnen und solche die in der Ferne wohnen; solche die geboren wurden und solche, die zur Geburt bestimmt sind. Mögen alle Wesen, ohne Ausnahme, glücklich sein.

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